Ruhe finden ohne dem Ohrgeräusch

Ich habe in den letzten Monaten mit einigen chronisch Tinnitus-Erkrankten gesprochen. Die Allermeisten hatten ein offenes Ohr für unser Tinnitus-Programm.

Ende April diesen Jahres traf ich eine sehr interessierte Frau, die sich die Idee des Programmes und meine persönlichen Erfahrungen damit berichten ließ. Auch diese Frau litt bis vor einiger Zeit an einem Ohrgeräusch, dass nun aber fast gänzlich verschwunden ist.

Klar war ich fasziniert und interessiert. Sie erzählte mir von einer Körpertherapie, die sie duchgeführt hat. Am Ende der Therapie stand eine deutliche Verbesserung des Ohrgeräusches. Ich habe mich ehrlich gefreut. Vor allem, weil die beschriebene Körpertherapie einige wesentliche Bestandteile unseres Tinnitus-Programmes umfasste.

Um es klar zu sagen: Ich freue mich für jeden Tinnitus-Patienten, der einen Weg gefunden hat, mit dem Piepsen im Ohr umzugehen. Ich möchte Euch in diesem Tinnitus-Blog beschreiben, was mir (und auch Anderen) geholfen hat. Ich denke, er hat das Potential vielen weiteren Menschen zu helfen, die schon einige andere Therapien -ohne Erfolg- ausprobiert haben.

Geschrieben von admin  05.06.2011

Ruhe finden mit dem Ohrgeräusch

Ich habe lange überlegt mit welchem Claim wir das Logo von Tinnitus-Silentium anreichern wollen. Den jetzt gefunden, finde ich sehr passend, aber:

Ruhe finden mit einem Ohrgeräusch? Ist das denn realistisch? Meine Antwort ist klar: Ja !

Natürlich ist es ein Weg dorthin, aber es lohnt sich, diesen zu gehen. Wichtig ist aus der Passivität herauszukommen und aktiv an sich zu arbeiten. Das beinhaltet eine feinere Selbstwahrnehmung, mehr Zeit für sich selber und seine Bedürfnisse, mehr Selbstreflexion, weniger "Funktionieren", mehr Zeit für "echte" Entspannung und auch den Mut mal zugeben zu können, dass man nicht alles schaffen kann und auch Grenzen der Belastbarkeit existieren.

Müssen wir immer Höchstleistungen erbringen, um geliebt und anerkannt zu werden? Beantworten Sie doch in einem ersten Schritt diese Frage für sich selber.

Geschrieben von admin  05.06.2011

Nicht den Tinnitus verschweigen; Umfeld informieren

Tinnituspatienten suchen nicht unbedingt Situationen, in denen es keine Hintergrundgeräusche gibt. Ich zum Beispiel schalte in jedem Raum unserer privaten Wohnung ein Radio ein, um ein Hintergrundgeräusch zu erzeugen. Mit diesem nehme ich mein Ohrgeräusch viel weniger wahr. Aber wie findet das mein unmittelbares Umfeld?

Meine Frau hat das lange genervt. Überall lief Radio und keiner hörte aktiv hin. Folglich schaltete sie diese Geräuschquellen ersatzlos aus. Wenn ich dies bemerkte, machte ich das schnellstmöglich rückgängig. Klar, stiess ich damit nicht auf das Verständnis meiner Frau. Aber das ist typisch für Tinnitus-Patienten. Wir vermeiden Stille, weil wir diese eh nicht erleben. Für Viele ist das insbesondere beim Einschlafen ein Problem.

Einige hören dann noch Musik oder lassen einen Zimmerbrunnen plätschern. Aber denken wir auch an unsere Lebenspartner? Die haben die Information verdient, warum wir diese ablenkende Geräusche benötigen. Es bringt keinen Sinn, sein unmittelbares Umfeld im Unklaren zu lassen. Wir können hohe Töne schwerer ertragen. Wir sind schreckhafter. Wir wollen nicht ständig kommunizieren…usw…usw….

Damit unser Umfeld dies versteht, müssen wir dieses informieren. Nicht um Mitleid zu erzeugen – wer braucht das auch?- sondern um Verständnis zu generieren.

Geschrieben von admin  04.06.2011

Besser raus aus der Opferrolle

Es ist völlig nachvollziehbar und normal, dass sich chronisch Erkrankte auch als Opfer sehen. "Warum nur ich?" oder "Das habe ich nicht verdient."

Das gilt natürlich auch bei Tinnitus-Patienten. Wärend meiner Intensiv-Thearapie im Tinnitus-Zentrum der Berliner Charité ist mir das bei einigen Mitstreitern sehr aufgefallen. Voller Wut und Verzweiflung formulierte beispielsweise eine Dame mittleren Alters im Rahmen der Gruppentherapie, dass sie das Ohrgeräusch als sehr ungerecht emfindet. Unter Tränen teilte sie uns Ihren Groll mit der Krankheit mit und formulierte unterschwellig Suizidgedanken.

Auf mich wirkte diese Verzweifelung und Agression sehr befremdlich und unangebracht. Mit ein paar Tagen Abstand zu diesem Therapietag viel mir auf, dass ichnoch  Monate zuvor ähnlich wütend werden konnte, wenn ich meinen Begleiter -den Tinnitus-  wieder als besonders störend empfand. Aber was war seither passiert?

Ich bin der festen Überzeugung, dass meine geänderte Sicht auf den Tinnitus einiges bewirkt hat. Ich sehe mich nicht als Opfer und habe gelernt mit dem Tinnitus unbeschwert zu leben. Ich höre ihn mal lauter und mal leiser. Aber ich weiß, er ist immer da. Na und? Ich warte nicht mehr ungeduldig auf den Tag an dem er nicht mehr zu hören ist. Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass es für mich ein Leben ohne das Ohrgeräusch nicht mehr geben wird.

Das geht soweit, dass ich manchmal denke, ob ich nicht etwas vermissen würde, wenn der Tinnitus nicht mehr zu hören würde.

Geschrieben von admin  04.06.2011

Ein Kampf gegen den Tinnitus kann ihn verstärken

Es muss Ende 2009 gewesen sein. Ich habe mir vorgenommen, alles erdenklich Mögliche gegen den Tinnitus aktiv zu unternehmen. Dabei habe ich mir eigentlich keine Grenzen gesetzt. Egal ob Schul- oder Alternativmedizin, ich wollte alle bekannten Möglichkeiten nutzen, dieses unsägliche Ohrgeräusch loszuwerden.

Meine Wege führten mich zu Ohrenärzten, einem Zahnarzt, einem Neurologen, einer Heilpraktikerin, einem Osteopathen, dem Tinnituszentrum in der Berliner Charité und einem Coach. Immer wieder keimte dabei Hoffnung auf , dass es zumindestens eine Linderung geben könnte, wenn ich deren Empfehlungen umsetzen würde. Ich tat das, was mir geraten wurde. Ich schlief mit einer Zahnschiene, durchlief eine Sauerstofftherapie, nahm Ginkgo-Präparate, lies mich entgiften, nahm Globulis, führte eine Darmsanierung durch…und..und..und.

Diese Maßnahmen sollten das Ohrgeräusch vermindern. Leider erfüllte sich diese nicht und mein Stress mit diesem Symptom wuchs. Schlecht, da Stress definitiv den Tinnitus verschlechtert und damit eher kontaproduktiv wirkt. Damit war das oben genannte Ziel nicht erreicht und meine Hilflosigkeit setzte mich weiter unter Druck und Wut. Schließlich bin ich es gewohnt, private und berufliche Probleme aktiv zu lösen. Ein Teufelskreis, den es galt zu überwinden.

Aber wie nur? Ich habe gelernt mit dem Ohrgeräusch zu leben und es nicht länger als Feind zu sehen. Ich bewerte ihn als Warnsignal meines Körpers, der mir ermöglicht, steuernd auf die Belastungen für meinen Körper zu reagieren. Heute gelingt es mir, dieses Signal zu akzeptieren und ihn als Indikator für Überlastung zu nutzen. Wenn er deutlich lauter wird, erhöhe ich meine Ruhephasen deutlich. Vor vier Monaten beispielsweise, saß ich in meinem Büro und hörte das Ohrgeräusch besonders intensiv. Sofort ließ ich alles liegen und ging eine Stunde in der Natur spazieren. Der Effekt war sofort spürbar. Mein Körper bekam seine verdiente Ruhepause und revanchierte sich damit mit einem leiseren Ohrgeräusch.

Geschrieben von admin  28.05.2011
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